Bevor ich in den nächsten Wochen an dieser Stelle über meine letzte Reise nach Nepal und Indien ins Detail gehe, lassen Sie mich die Zeit ein wenig zurückspulen. Ein Erdbeben in 2015 erschütterte Nepal. Ein paar Tage später war ich schon dort um Hilfsgüter zu bringen. Tausende starben. Genaue Zahlen gibt es nicht – schon gar nicht aus den Bergregionen. Das interessiert auch niemanden in der Hauptstadt Kathmandu, weil die Menschen in den Bergen die „Dalits“, die Unantastbaren, sind. Sie zählen nichts, sind nichts wert, nicht einmal wert, dass man sie erwähnt. Auf den stundenlangen Autofahrten mit Hilfsgütern in diese Regionen erzählt man natürlich viel im Auto. Fast „beiläufig“ erzählte mir ein Pastor, dass aus diesen Regionen junge Mädchen, eigentlich Kinder, verkauft werden. Er meinte sogar, dass jetzt, wo viele Familien alles verloren haben, Mädchen ein gutes Tauschmittel sind, um an Geld zu kommen für den Bau einer neuen Hütte zum Beispiel. So wie er es erzählte, klang es so, als wäre es etwas Normales. Für ihn als Pastor war es das natürlich nicht, aber in der Welt dort nichts Ungewöhnliches. Als ich das hörte, fühlte ich in meinem Herzen, dass wir als Feed the Hungry dort etwas tun müssen. Diese Menschen sind eben auch Menschen. Gleich wertvoll – nicht weniger Wert, weil es vielleicht an Bildung oder Umgangsformen mangelt. Woher soll es denn auch kommen, wenn sich niemand darum kümmert? Und diese neun-  oder zehnjährigen Mädchen sind kein Vieh, das man verkauft. Also mussten wir etwas tun –  aber wo anfangen?