Monat: Juni 2018

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” …Papa, bitte wieder Dosen machen….”!

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Mein heutiger Post ist zum größten Teil privat und nur am Rande berührt er die Arbeit von Feed the Hungry. Marcel, mein ältester Sohn, lag als kleiner Junge, ich war grade zum alleinerziehenden Vater geworden, früh morgens im Bett, halb verschlafen. Eigentlich war es Zeit für den Kindergarten. Er tat mir leid und ich sagte ihm. „Dann dös noch ein bisschen“. Am nächsten Tag meinte er, als er aufstehen sollte: „Papa, bitte wieder Dosen machen“. Aus dem „Dosen machen” wurde ein jahrelanges morgendliches Ritual. Was den endgültigen Aufstehzeitpunkt anging, entschieden sich die Jungs als Klingelton in meinem Handy für das Quaken von Enten.  Also jeden Tag um 5:55 Uhr war es Zeit „Dosen zu machen“, um 6:11 Uhr kam dann die „Aufstehzeitankündigungsententruppe“. Doch diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. 

Marcel (22) ist schon seit drei Jahren aus dem Haus und macht im Juli bei Airbus seinen Bachelor und wird bei Airbus eine für ihn neu geschaffene Stelle antreten. Philipp (fast 19) wird in wenigen Wochen ein freiwilliges soziales Jahr in einem Krankenhaus antreten und ein Jahr später sein privates Studium als Osteopath beginnen.

Meine beiden Kinder sind mein ganzer Stolz. Sehr oft haben sie mich auf meinen Reisen begleitet. Wenn ich an unsere gemeinsame Reise in 2009 nach Pakistan zurück denke, muss ich schmunzeln. Damals haben wir auf dem Landweg einen Notarztwagen nach Pakistan gefahren. Eine Fahrt, die uns drei zusammengebracht hat. Heute sind wir nicht nur Vater & Sohn, sondern Freunde. So zumindest empfinde ich das. Immer wieder stelle ich mir in letzter Zeit die Frage, ob ich den beiden genug mitgegeben habe auf den Weg ihres Lebens. Sicherlich nicht. Aber auch, wenn wir nicht mehr zusammen wohnen, gehören wir noch zusammen und sind füreinander da. Und auch für Feed the Hungry sind die beiden noch da. Philipp hilft bei der Videoarbeit und ohne Marcel würde unser Netzwerk still stehen und unser Computer nur noch Staubfänger sein. Kinder sind ein Geschenk Gottes, hat jemand wohl mal gesagt. Dazu kann ich nur sagen: „JA, das stimmt, und es gibt kein größeres Geschenk!“

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Am Straßenrand von Kathmandu Teil 3

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Zum Ende des zweiten Teils meines Nepal Berichtes schreibe ich, dass die Strasse am Fusse des Berges  zu Ende sei. Von dort aus geht es zu den Dalits. Im letzten Satz stellte ich die Frage, wer dort schon hin will. Wir von Feed the Hungry wollen dort hin. Selbst wenn wir für sieben Kilometer Strasse zwei Stunden brauchen, trotz unseres Geländewagens. Warum tun wir das? Weil es uns das Neue Testament so sagt. „Gehet hin an die Enden der Welt“. Und diese Region ist eines der vielen Enden der Welt. Ja, ich weiß, dass ist ein frommer Spruch. Der eine oder andere wird auch hier aufhören zu lesen. Dennoch ist es das, was wir glauben zu tun zu haben. Das ist das, was ich/wir auf dem Herzen haben. Doch haben wir nicht nur etwas auf dem Herzen, sondern wir haben auch etwas in den Händen: Reis, Mehl, Linsen, Speiseöl. Und wir bleiben dort. Ich selbst fahre zwar wieder zurück, aber Leute aus der Gemeinde bleiben dort. Sie starten dort eine kleine Hauskirche. Und wenn die Hütte zu klein wird, dann wird draußen Gottesdienst gefeiert. Ich bin froh, hierher gekommen zu sein. Auch, wenn wir Dinge verteilt und verschenkt haben, der wahre Beschenkte bin ich. Beschenkt damit, dass ich in einem Land leben darf, in dem wir alles haben:  Supermärkte, Discounter, Metzger und mehr als nur einen Bäcker mit frischem Brot. Die Dalits, von denen ich mich in ihrem kleinen Dorf jetzt verabschieden muss, haben das alles nicht. Sie sind die „Aussätzigen“, obwohl sie so gesund sind wie andere auch.  Doch irgend jemand hat ihre Vorfahren einmal so abgestempelt. Doch bei Gott wird keiner abgestempelt. Bei Gott sind alle gleich, auch wenn es nicht allen gleich gut geht. Sandeep, der Fahrer, fordert zum Einsteigen auf. Er will aus den Bergen raus sein, bevor es dunkel wird. Er fährt sehr behutsam und bringt mich sicher noch vor der Dämmerung wieder an den Fuß des Berges, da wo das Treiben von Kathmandu wieder beginnt. Aber hier kenne ich den Weg zu meiner Unterkunft. Die letzten drei Kilometer will ich laufen. Der Tag hat mir viel zu denken gegeben.

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Am Straßenrand von Kathmandu Teil 2

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Entlang der letzten drei Kilometer dieser Strasse spiegelt sich das Glanzlose, das Leben in Nepal´s Hauptstadt wieder. Hier fahren die total überladeneren Kleinbusse entlang. Überladen mit Menschen, die hier am Ende der Stadt leben. Hier wird an der Strasse gekocht, gegessen. Menschen schlafen hier an der Strasse, weil sie kein Zuhause haben. Andere haben ein Blechdach über dem Kopf, aber kein Wasser. Deswegen waschen sie sich in aller Ruhe, so als würde es niemand sehen, an einem Hydranten die Haare. Der nächste in der Warteschlange hat einen Karton mit schmutziger Wäsche; somit wird der Hydrant zur Waschmaschine. Hier kümmert es keinen, was Frauen sich wünschen. Das Ende der Strasse ist der Fuß einer Bergregion. Sie endet hier, hört einfach auf. Wer weiter will, braucht ein Allradauto. Doch wer will hier schon weiter? Hier geht es zu den Dalits, den Unantastbaren.

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Am Straßenrand von Kathmandu Teil 1

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Die Strasse, die mein Fahrer nahm, kannte ich auswendig. Keine Ahnung, wie oft ich hier schon lang gefahren wurde oder streckenweise auch oft entlang gegangen bin. Die Strasse schlängelt sich quer durch die Stadt, durch Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Über Kreuzungen mit Ampeln, die keiner beachtet. Würde der Polizist mit seiner Atemmaske nicht hoch auf einem Podest stehen, würde er nicht nur nicht beachtet werden, sondern auch in Lebensgefahr stehen. Sechs Spuren, auf denen doch alles durcheinander fährt und durcheinander hupt. Sie führt entlang an teuren Geschäften, an Restaurants, deren Logo überall auf der Welt zu finden ist. Die Christen sollen doch eigentlich an alle Enden der Welt gehen. Coca Cola ist schon längst da. Doch der Glanz und Glimmer links und rechts verblasst, je mehr wir aus dem Stadtkern herausfahren. Auch den Teil der Stadt kenne ich und spüre heute noch die Blasen an meinen Füssen, die ich mir beim ersten mal dort gelaufen habe.

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