Monat: Juli 2016

8756

Notruf aus dem Irak

00Aktuelles

Heute Nacht erhielten wir einen Notruf von unserem Partner in Erbil/Irak (aus Sicherheitsgründen muss der Name unerwähnt bleiben). Die Kollegen bitten uns um schnelle Hilfe, weil es in den letzten Tagen zu einer drastischen Verschlimmerung der humanitären Lage in den Flüchtlingslagern gekommen ist. Mir ist bewusst, dass man nicht mehr von einem Flüchtlingslager spricht, doch wer viele dieser Camps einmal gesehen hat, der weiß, dass diese nichts anderes sind als Lager.

Offensichtlich scheint die IS die Vorkommnisse in der Türkei dafür zu nutzen, um sich im Irak mehr und mehr unter die Flüchtlinge zu mischen. Nachdem bekannt wurde, dass sich die internationale Eingreiftruppe auf die Rückeroberung von Mossul und Falludscha vorbereitet, mischten sich IS Angehörige unter die Tausenden von Flüchtlingen und besetzten Zelte, um die Flüchtlinge so als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Flüchtlinge fühlen sich hierdurch derart stark bedrängt, dass sich viele von ihnen bereits aus diesen bisher halbwegs sicheren Camps auf den Weg nach Dibaga machen, das in Kurdistan liegt.

Von einem dieser Camps in Shirkat ist es nach Dibaga ungefähr ein drei Tagesmarsch. Auf dem Weg dorthin finden sich überall Menschenleichen, die vom IS umgebracht wurden. Auch Leichen von Kindern liegen dort, die aus Mangel an Wasser die Reise nicht überlebt haben. Da wir in beiden Camps arbeiten, erfuhren wir von dem Schicksal einer Familie, von der nur drei der sechs Angehörigen, die sich in Shirkat auf den Weg machten, in Dibaga auch tatsächlich ankamen.

Tausende haben sich auf den Weg gemacht. Doch in Dibaga fehlt es an allem – vor allem an Wasser und Zelten! Die Hitze dort ist unerträglich. Wir haben veranlasst, dass sich Laster mit Wasser, Brot, Früchten und Babynahrung sofort auf den Weg machen. Doch das ist nichts weiter als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Zudem gehen unsere Vorräte zu Ende, da wir mit einer derartigen Veränderung der Lage nicht gerechnet haben.

Mit einem Betrag von 35 Euro können wir einer Familie mit einer Lebensmittelration, einer Zeltplane und Wasser helfen. Die Nahrungsmittel und das Wasser werden für eine vierköpfige Familie etwa drei Wochen reichen.

Auf Facebook und unserer Webseite halten wir Sie weiter auf dem Laufenden. Da ich die Situation persönlich kenne, werden wir uns ab September mit der Versorgung der Flüchtlinge im bevorstehenden Winter beschäftigen und entsprechend planen.

Content blocked by WeePie Cookie Allow Plugin

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Bitte akzeptieren Sie Cookies über den entsprechenden Button. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.